Dienstag, 25. Juni 2013

Faire du Blog

Noch nie war ich so Outdoor!

 
Schluß mit Nudeln und roter Sauce! So geht Outdoor!
 














Seit vielen Jahren schon fahre ich raus zum Klettern. Seit vielen Jahren Urlaub im Dreck. Und seit vielen Jahren das unbestimmte Gefühl: Irgendwie ist das Alles nicht richtig so. Alles so schmutzig und improvisiert, das Essen immer das gleiche, und beim morgendlichen Toilettengang brennen die Oberschenkel während die Hexe ob der Kauerstellung wiedereinmal in den nicht mehr ganz jungen Rücken schießt.  Doch das alles kann nun ein Ende haben. Denn hier erfährt man wie Outdoor wirklich geht!

outdoortraum.blogspot.de 

Ob Haute Cuisine auf dem Mini-Trangia-Kocher oder das Extremoutdoorleben eines Jerry Moffats im Dreck schimmliger Barraken am Fuße der Felsen Großbritanniens, ob Wandern im Kaisergebirge oder Plaisierklettern in den Gutensteiner Alpen, kein Thema ist Outdoor-Traum zu dreckig.

In den Rubriken Klettern, Wandern, Campen, Ausrüstung, Natur, Umwelt und Soziales, sowie Bücher und Filme bekommt der Leser dieses noch jungen Blogs informative, gut recherchierte und sehr lesenswerte Beiträge zu diversen Themen geboten, rund um die uns allen bekannte Sehnsucht: "draußen und weg"- zu sein!

Bleibt nur die Frage, wann und in welcher Rubrik das Thema : "How to shit in the woods?" erörtert wird. In Erwartung eines diesbezüglichen Artikels habe ich die Beiträge zu Natur, Umwelt und Soziales schon abonniert.

Also, drei Daumen hoch und ein beherztes: Gefällt mir!

outdoortraum.blogspot.de   


Dienstag, 18. Juni 2013

Wiener Schmäh

Sonne, bester Fels und kurze Zustiege... 

...alpine Sportkletterrouten, von Plaisier bis Abenteuer. Jedoch ein Haferl statt Cappuccino.
Die Süd-Ost-Seite der Hohen Wand

Ein Blick in den Dienstplan ließ mein Herz höher schlagen. Da reihten sich doch tatsächlich fünf freie Tage am Stück aneinander. Eine Woche Urlaub, ohne einen Urlaubstag zu nehmen. Es lebe der Schichtdienst. Bleibt nur noch die quälende Frage zu klären: Wohin? Nach Franken? Ne, nicht bei fünf Tagen. Da kann man auch mal ein längeres Wochenende hinfahren. Nach Arco? Wahrscheinlich schon viel zu heiß im Juni! Aber war da nicht neulich in der "Klettern" ein Artikel über das Hausgebiet der Wiener Kletterer? "Hohe Wand", so der Name des Gebietes bei Wiener Neustadt, ca. 50km südlich von Wien. Die übliche Recherchemaschienerie wurde angeworfen, Artikel gewälzt, Internetseiten durchforstet, und Topos von infrage kommenden Touren ausgedruckt. Und mit jedem verschlungenen Wort, mit jedem betrachteten Foto, mit jeder studierten und im Geiste schon gekletterten Tour erschien die Hohe Wand in einem noch schöneren Glanze. Es führte also kein Weg mehr an  "Traum und Wirklichkeit", "Die wüde Posteline", "Osterhasi", "Tirolersteig Mixtüre" und vielen Routen mehr vorbei.

Nach einer Hitzeschlacht auf der A3, die uns quer durch die deutsche und anschließend auf der A1, die uns dann noch quer durch die österreichische Republik führte erreichten wir dass angepriesene gelobte Land, den "Naturpark Hohe Wand" in der Dämmerung. Nichts desto trotz musste der obligate Gang zur Wand und zum Einstieg der von uns für den kommeden Tag auserkorenen "Osterhasi" (6 SL/ 7-) noch erfolgen. 

Die Toposkizze und ein inzwischen dem Siedepunkt nahes Ankunfsbier in den Rucksack geworfen, hasteten wir den zwar in der Tat kurzen aber dafür umso steileren Zustieg zur Wand hoch. Natürlich gab es im fast dunklen nicht wirklich viel mehr als die ersten der 160 Meter zu sehen, trotzdem tat es gut endlich draussen zu sein und sich auf den kommenden Klettertag zu freuen. 

Saubere Toiletten, und kaltes Wasser für die Bierkühlung

Knapp unterhalb des Parkplatz der Hohen Wand, befindet sich eine Zeltwiese mit deren Einrichtung die Gemeinde Meiersdorf den Auswüchsen des wild Campens entgegenzusteuern suchte.Für das nächtigen im Zelt oder Bully und für die Nutzung wirklich sauberer und gut gepflegter Sanitäreinrichtung, wirft man Anmeldung samt zu entrichtender Gebühr (12,-Euro pro Nacht für ein Zelt oder Bully) in einen Briefkasten und wird wie wir am kommenden Morgen mit einem herrlichen Blick auf die gesamte Süd-Ost- Wand entlohnt. Entsprechend ungeduldig drückten wir uns das Frühstücksmüsli rein, während wir die Wand immer wieder nach unserer Linie absuchten. Und so dauerte es auch nicht mehr lang, bis wir gerüstet am Einstieg standen. 

 Auch wenn für meinen Geschmack Routennamen wie "Osterhasi" für heroische Bergfahrten irgendwie deplaziert wirken, so gab es in dieser Tour doch so manches glücklich machende Osternest zu suchen und zu finden. 
"Osterhasi" wer vergibt denn solche Routennamen?
In 6 Seillängen gilt es das Totenköpfel, den wohl markantesten Pfeiler der Süd-Ost-Wand zu ersteigen. Den Totenköpfelsteig im sechsten Grad immer wieder kreuzend sucht sich die Tour einen ziemlich direkten und immer logischen Weg zum Gipfel. Schon in der ersten Länge wartet eine kraftvolle und ausgesprochen schöne Kletterstelle über ein Baucherl, welches den potentiellen Wiederholern auf das einstimmt, was da noch wartet. Auch die nächsten drei Eappen halten immer wieder schönste Kletterei auf mal plattig und mal leicht überhängendem festen Fels bereit. Wer am vierten Stand angekommen sein Limit schon erreicht oder gar überschritten sieht, kann sich nun über den Handlerausstieg zum Gipfelplateau arbeiten. Wer jedoch noch genügend Reserven hat, der macht sich nun an die Crux-Seillänge. Wir dachten wir hätten sie. 


Wahrscheinlich die "Must take a picture" Stelle
Schon nach wenigen Metern  finde ich mich jedoch an zwei guten Seitgriffen wieder, suche aber auf dem sonst so gut wie Strukturlosen Fels vergeblich nach einer Kante oder einer kleinen Dulle welche meine viel zu großen Alpinpuschen beherbergen wollen. Da sonnenbeschienener Kalkfelsen nicht gerade für seine Reibungseigenschafften berühmt ist, werde ich ob des weit entfernt aussehenden Zielgriffes am unteren Ende eines Risses und ob des rasch ansteigenden Laktatpegels in meiner Fingerbeugemuskulatur zunehmend nervöser. Es galt zu handeln. Und so wurden die Füße auf dem Nichts geparkt und nicht schön aber funtionabel mit aller Kraft an dem linken der beiden Seitgriffe gezerrt, bis ich mit der rechten Hand an den erwünschten Griff kam. Das sich in solchen Situationen  die vermeintlich rettende Kelle immer als schlechter Aufleger herausstellt, brauche ich wohl nicht extra erwähnen, und so ging der Kampf Zentimeter für Zentimeter weiter. Piazen hier, klemmen da, dann mal ein schlechtes Leistchen blockieren und das alles mit betonartigen Unterarmen, Tränen in den Augen und natürlich begleitet von dezentem Gefluche und dem riesigen Wunsch bei einem eiskalten Radler vor einem zünftigen Gasthaus zu sitzen, anstatt sich hier in sengender Hitze abzurackern. Bevor die zweite 7- Stelle auf mich wartete, gab es zumindest eine einigermassen gute Schüttelstelle, welche meinen Armen eine kleine Erholung gönnten. Eigentlich galt es folgend nur zwei Meter auf der Platte nach links zu traversieren, um einen wunderschönen Riss im sechsten Grad zum Stand auszuklettern. Aber dieses "nur" gestaltete sich ob meines schon stark angegriffenen Nervenkostüms, meiner in den Kletterschuhen aufs Maximum angeschwollenen Füße und ob des nicht mehr zu beherrschenden Tremors, der meinen Gliedmaßen in eine orginal Singernähmschiene im Turbogang verwandelte, zu einem riesigen Hindernis. Nach diversen Anläufen, welche wieder am Schüttelgriff endeten zog ich dann doch noch beherzt durch, gelangte zu besagtem Riss und zitterte auch diesen hoch. Nach entsprechender Erholung, war die letzte Länge für uns wieder reine Genusskletterei. Eine traumhafte Rissverschneidung führte zu einem großgriffigen Abschlußüberhang, welcher der Tour ein fuminanteres Finale nicht bescheren konnte.

Da der Gipfel in diesem Fall kein Gipfel, sondern das Hochplateau des "Naturpark Hohe Wand" und somit touristisch gut erschlossen war, wurde uns bewusst, dass das ersehnte Radler in greifbare Nähe gerückt war, und so machten wir vor dem gemütlichen Abstieg über den "Völlerinsteig" eine kurze Einkehr im Gasthof "Postl" und stellten wiedereinmal fest, dass ein kaltes Radler köstlicher kaum schmecken kann, als nach solch einer Schinderei!


Von oben, von unten, von links, von rechts...
Am folgenden Tag kletterten wir die Route "Wüde Posteline" (8SL/ 6). Sie verläuft an einem der vielen etwas gestufteren Wandbereiche. Daher gibt es zwischendrin immer wieder leichtere Schrofenpassagen, oder gar Gehgelände. Wem dies nichts 
...von überall kommen sie angesegelt.
ausmacht, den erwartet trotzdem eine unterhaltsame Tour. Mit 265m Kletterlänge handelt es sich um eine wesentlich längere Tour als die "Osterhasi", dafür gibt es allerdings auch wesentlich weniger Kletterhighlights zu erleben. Die Cruxlänge erlangt ihren Anspruch insbesondere durch den splittrigen und nicht sehr fest wirkenden Fels, an dem man in der leicht überhängenden Wand aber trotzdem gehörig ziehen muss, um die Stelle zu lösen. Weiter oben klettert man über eine sehr schöne Blockkante, von der aus man eine fantastische Sicht auf die Paraglider hat, welche ständig über, neben und unter einem vorbeisegeln. Und man denkt insgeheim:"Spätesten, wenn wir den freudigen Abstieg und ihr den lästigen Aufstieg über die "Völlerin" nehmt, sieht man sich wieder."

Steinböcke und Paraglider- die Hindernisse beim Abstieg


Nach einem Tag Autobahn, zwei tollen, aber anstregenden, weil sehr heißen und schwülen Klettertagen an der Hohen Wand, wird es nun Zeit sich dem Charme des Wiener Lebens hinzugeben und der Kletter- gegen den Städteführer einzutauschen, sich mit Eispalatschinken und Ottakringer Bier für die vergangenen (und noch bevorstehenden) Strapazen zu entschädigen und ein wenig in die Ära Sissi und Franz´l einzutauchen.


Fäkts:

Allgemeines:

Wer aus dem Rheinland 900km abreißen möchte um alpine Sportkletterrouten mit geringerem Wetterisiko, geringeren Zustiegen und gemütlicheren Abstiegen, als es die hohen Alpen zu bieten haben, zu finden, der muss nicht mehr nach Arco fahren.
Das Radler ist nimmer weid!
Auch die Hohe Wand bietet eine Menge Klettereien, verschiedener Schwierigkeiten von Plasiermässiger bis abenteuerlicher Absicherung. Natürlich ist das Wandangebot begrenzt, dafür jedoch umso fleißiger erschloßen. Dies macht den Vebleib in der erwählten Tour nicht immer ganz einfach, da man an jeder beliebigen Stelle potentiell falsch abbiegen kann. Viele Wandbereiche sind gestuft und beinhalten schotterige und schrofige Seillängen. Auch durch Gämsen ausgelöster Steinschlag stellt ein Problem dar.



 Nächtigen:

Zeltplatz "Hohe Wand Blick" am Fuße der Süd-Ost-Wand. Herrlicher Blick, saubere Toiletten und eiskaltes Kranwasser, welches die Bierkühlung ermöglicht überzeugen. Für den dickeren Geldbeutel läßt sic sicherlich ein nettes Fremdenzimmer in den umliegenden Gasthöfen finden.



Recherche und Topographie:

"Führer auf die Hohe Wand- 750 Anstiege auf die Hohe Wand" von Thomas Behm;
 
Topos bei Bergsteigen.at;

Magazin "Klettern" Feb-März 2013;


http://www.naturpark-hohewand.at/.


 


 

Dienstag, 28. Mai 2013

Jäger des Augenblicks

Ein Abenteuer am Mount Roraima

Und noch ein verregneter Sonntag. Nun ist es schon Mitte Mai, und doch sind die Temperaturen in Deutschland arktisch. Und das von oben kommende Wasser möchte einfach nicht enden. Und so wird auch dieser Sonntag nicht an sonnigen eifler Felsen verbracht, wie ich es eigentlich vorgehabt hätte. Aber was statt dessen tun? War da nicht noch etwas auf der To-Do-Liste. Richtig: Den Film "Jäger des Augenblicks- Ein Abenteuer am Mount Roraima" galt es noch anzuschauen. Seit er angelaufen war, sprach täglich irgendetwas gegen einen Kinobesuch. Aber an diesem verregnetem Sonntag, bleibt nun wirklich keine Ausrede mehr.

Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, wird noch schnell Kaffee und Kuchen in Ehrenfelds neuestem Alternativ-Café inhaliert und dann nichts wie ab ins Cinenova.
Zwei Stunden später verlasse ich völlig geflasht das Kino. Geflasht von den Bildern, geflasht von den Protagonisten und geflasht von der Authenzität des ganzen Spektakels. Aber von vorne:
"Jäger des Augenblicks" ist mal wieder der Versuch, den Klettersport dokumentarisch einzufangen und einem breiteren Kinopublikum zugänglich zu machen. Bei bisherigen Machwerken dieser Art empfand ich das Resultat meist als eine Art unglücklichen Kompromiss zwischen zu kletterspezifisch für den Nicht-Begsportler und zu unspezifisch für den Kletterinteressierten. Und genau dahingehend waren meine Erwartungen an diesen Film. Aber sie wurden im positiven Sine nicht erfüllt.

Philipp Manderlas, Christain Lonks und Malte Roepers Film dreht sich um eine Expedition von Stefan Glowacz, Kurt Albert und Holger Heuber zum Tafelberg Roraima in Venezuela. Sie möchten an der 600m hohen und kontinuierlich überhängenden Nordwand des sagenumwobenen Berges eine Freiklettertour erstbegehen und das wie für die Drei üblich: "by fair means". Als sie diese Unternehmung im Jahr 2010 nicht erfolgreich abschließen können beschließen sie wiederzukommen. Doch der tödliche Absturz von Kurt im selben Jahr stellt Stefan und Holger vor die Frage, ob sie trotz oder gerade wegen dieses tragischen Ereignisses erneut zum Mount Roraima aufbrechen sollen.

Was als Dokumentarfilm über eine abenteurliche Expedition geplant war, wird  zu einem Film über Freundschaft, über die Auseinandersetzung mit dem Verlust eines Menschen und über drei faszinierende Persönlichkeiten, die die Leidenschaft zum Berg miteinander verbindet. "Jäger des Augenblicks" schafft es nicht nur dem Laien die Welt des Kletterns näher zu bringen, vom Rotpunktgedanken über das Wettkampfklettern bis zum Expeditionsbergsteigen, sonder gewährt auch dem Fachpublikum mit stimmig eingespielten Flash-backs Einblicke in die Geschichte und Geschichten des Sportkletterns. Ob nun bei Günther Jauch auf der Couch oder in schillernden Lycras an den Wänden der Fränkischen Schweiz, die vielen Einspieler jedweder Ära werden gekonnt in Szene gesetzt und Runden das Bild der drei Hauptakteure ab.

 Es werden nicht einfach drei Sportsleute vorgestellt, sondern vielmehr werden dem Zuschauer drei Persönlichkeiten auf eine authentische, ehrliche und überaus sympathische Art näher gebracht, wie es bislang vergleichbaren Filmprojekten nicht geglückt ist.
Und nicht zuletzt sorgen natürlich gewaltige Aufnahmen der Expedition für ein unvergessliches Filmerlebniss. Während die Strapazen des "by fair means"- Zustiegs durch den "Verdauungstrakt" (Kurt Albert) in mir mehr Respekt als Fernweh hervorrief, weckten die tolle Bilder vom Klettern und tagelanges biwakieren eine riesige Sehnsucht auf die großen Wände.
Abgerundet wird der Film durch einen tollen Soundtrack. Da wirkt noch nichteinmal Rheinhard Meys "Gute Nacht Freunde, es ist Zeit für mich zu gehen. Was ich noch zu sagen hätte, dauert eine Zigarette und ein letztes Glas im stehen..." kitschig.
Alles in allem bin ich froh, dass mich ein verregneter Sonntag ins Kino zwang, welches ich vom Abenteuergeist beseelt wieder verließ.

Wenn der Frühling also weiterhin auf sich warten lässt kann ich einen Besuch in "Jäger des Augenblicks- Ein Abenteuer am Mount Roraima" wärmstens empfehlen.

http://www.jaegerdesaugenblicks.de/

Sonntag, 26. Mai 2013

Tierisch

 Iron- Jaw- Corner (8c+)

"Scheiße, Scheiße, Scheiße! Jetzt was legen! Der Zweier-Cam würde so gut in den Riss passen. Aber nein, ich musste ja unbedingt einen Solo- First Ascent machen! Sah von unten ja auch gar nicht so schwer aus. Und nun hänge ich hier und mir bleibt nur dieser scheißwacklige Move ...", dachte Mecki, bevor er den Jaw Jam ansetzte und sich die erste Begehung der Verschneidung  "Iron Jaw Corner" 8c+ seilfrei abholte. Respekt!

Mittwoch, 15. Mai 2013

Roadtrip




Südfrankreich ist ja so was von out

Der Felsriegel von Buoux
Was in den 80ern in war, war in den 90ern längst passé. In den 2000ern war dann alles aus dem alten Jahrtausend vollkommen abgesagt, kam jedoch zum Teil in den 2010ern unter dem Label „retro“ zurück. Dies gilt nicht nur für Hosen, Pullis, Anzüge und Kleider, sondern auch für Klettergebiete und damit zwangsläufig für bestimmte Arten von Klettereien.
La derriere problem des alpes 6b+
Was Ende der 19hunderter Südfrankreich für die Kletterwelt war, zumindest für die europäische, sind seit dem Millennium längst Kalymnos, Rodellar und sämtliche katalanischen Ultrahardmoverspots mit sharmaschen und andradaschen Promibonus geworden.
Das Wissen um diese Trends mache ich mir gerne zunutze und plane meine Kletterreisen antizyklisch. Denn der Besuch von den gerade schwer angesagten Gebieten hat so manche Nebenwirkung.
So wird der angestrebte Onsight mit den prüfenden Blicken der Wohlgesonnenheit vorgaukelnden Kontrahenten im Rücken gleich erheblich schwerer, wenn er nicht durch spontane „Du musst in den Untergriff kreuzen!“- Zurufe zunichte gemacht wird. Hat man es dann doch mal geschafft, in einem Anflug von Kletterflow-Erlebnis die Welt um sich herum zu vergessen, wird man meist jäh durch ein „Come on Oida, geht schoa!“ oder „Schiggeding“ (je nach Angesagtheit der aktuellen Klettermovies) ins Hier und Jetzt zurückgeholt.
Der Zustieg geht auch einfacher!
Das Projektieren von Routen gestaltet sich meist noch beschwerlicher. Denn abgesehen von Wartezeiten zwischen den einzelnen Versuchen, welche die Muskulatur auch bei 30 °C im Schatten wieder erkalten lässt, wird man von Mitstreitern regelrecht auf Linie gebracht. Man hat noch nicht begonnen, die Krux auszubouldern, da wird einem schon die einzig kletterbare Lösung nahegebracht, sodass kein Zweifel bleibt, dass ein Probieren von möglichen Alternativen nicht nur als unhöflich, sondern geradezu dreist empfunden würde. Immerhin dient das eigene Scheitern an der aufgezwungenen Zugabfolge dem guten Zweck, das Ego des Ansagers ein wenig zu stabilisieren und aufzupolieren.
Apropos scheitern: Nicht nur, dass man sich mit dem eigenen Erfolg oder Scheitern auseinandersetzen muss. Man darf stets am emotionalen Zustand der anderen Vertikalsportler teilhaben. Geteiltes Leid ist eben halbes Leid und geteiltes Glück ist doppeltes Glück, so scheint das Motto zu sein. So ist es Usus, alle Anwesenden mit regelmäßigem und lautstarkem Statusreport auf dem Laufenden zu halten. Ein lautes „Fuck!“ unterstreicht ausdruckstark die Verärgerung oder Verwunderung über das Scheitern in der Route, die man doch eigentlich locker beherrschen müsste. Anschließend kann es nützlich sein, einen detaillierten Bericht über die schlechten Bedingungen bis in den letzten Winkel des Gebietes dringen zu lassen. Ein lautstarkes „Yes!“ hingegen hebt den eigenen Erfolg in einem langen Projekt heraus und sorgt für ausreichend Anerkennung und Gratulation.

Volx
Das Gegenmittel zu diesen Nebenwirkungen heißt antizyklisches Klettern, also genau dort hinzureisen, wo sich die Massen gerade nicht aufhalten.
Nachdem in diesem Frühjahr der geplante Trip in den allzeit unpopulären Peak District aufgrund der Meldungen über im Schnee vergrabener Schafherden in der Nähe von Sheffield neu diskutiert wurde, kam die Idee auf, nach über zehn Jahren der Provence mal wieder einen Besuch abzustatten und die So-was-von-megaout-Gebiete im Val de Luberon zu besuchen. Ein Indikator für das nicht Angesagtsein war meine Google- Bildersuche, die lediglich Fotos von Kletterern in engsitzenden schillernd pinken Lycras und luftig wehenden Muscle-shirts an den glatten Fassaden der buouxschen Felsen offerierte.
Steiles Gemäuer in Volx (7b+)...
Obwohl das Wetter dem glich, was wir normalerweise zu dieser Jahreszeit in Nordengland erwartet hätten, war es herrlich, die Provence kletternd neu zu entdecken. Und erstaunlicherweise mussten wir feststellen, dass zumindest Buoux gar nicht so wenig angesagt war, wie man meint. So traf man doch direkt mehrere Kletterer, deren Namen der internationalen Kletterpresse bekannt sein dürften. Auch ansonsten verlustierten sich viele Vertikalisten aller Könnensstufen an den rund geschliffenen, so abweisend wirkenden Wänden zwischen Apt und Bonnieux. Und das, obwohl die Kletterei so gar nicht dem moderne Idealbild eines Klettergebietes entspricht. Während die Herren Moffatt und Moon in den 80ern noch ihre wahre Freude an der technischen Kletterei an senkrechten und leicht überhängenden Platten hatten, auf denen Anzahl und Größe der kaum vorhandenen Löcher die Schwierigkeit definieren, entstehen heutige High-End-Routen gerne an langen überhängenden Ausdauerhämmern, die auf 60 Metern Routenlänge gerade mal eine Höhe von 20 Metern erreichen. Also kurz gesagt, äußerst unpopuläre, aber nicht uninteressante Routen findet man in Buoux. Insbesondere die Sektoren Condor, Styx und Bout du monde warten mit echten Klassikern wie „Dresden“ (7a), „Rêve du papillon“ (8a), „Chouca“ (8a+) oder „La rose et le vampire“ (8b) auf.
La bout du monde
Ganz anders sah unser Besuch in Volx aus. Obwohl es sich keine 50 km von Buoux entfernt befindet und obwohl auch hier mit dem britisch-französischen Battle um „Plafond“ vulgo „Maginot Line“ (8c) und „Superplafond“ (8c+) Klettergeschichte geschrieben wurde, waren wir jedes Mal die einzigen Kletterer im Gebiet. Und das obwohl hier im Sektor „Grand Grotte“ unzählige steile Routen hauptsächlich im siebten und achten Franzosengrad zu finden sind. Trotzdem das Treiben in den 80ern und 90ern eine gehörig marmorierte Patina auf den Griffen von Volx hinterlassen hat, gefiel uns ausnahmslos jede Route in diesem fantastischen Gebiet. Schon die Aufwärmroute „Hot Spot“ (6b+) machte ihrem Namen alle Ehre und stimmte auf das ein, was da noch kommen sollte. Aufgrund der vielen nassen Routen nach einem auch in Südeuropa durchwachsenen Frühjahr war unsere Auswahl leider etwas eingeschränkt. Doch dieser Umstand zwang uns dann in die Route „Spinoza“ (7b+), die sich als eine wirklich tolle Route mit irren boulderigen Dachzügen zu Beginn und wackeligen, technischen Rausschmeißerzügen kurz vor dem Umlenker entpuppt und dem Wiederholungsaspiranten volle Konzentration vom ersten bis zum letzten Zug abverlangt.
...lädt zum Victory-Jump!
Leider dauerte unsere Reise ins Land des Lavendels, der schmackhaften Kräuter und des kräftigen Rotweins nur eine Woche. Aber ich hoffe, dass die Provence als Kletterregion noch ein Weilchen benötigt, bis sie sich als „retro“ wieder voll etabliert. Bis dahin schlüpfe ich gerne jährlich in meine pinken Lycras und mein Muscle-shirt, klettere nahezu allein in der Provence und poste die Fotos zum Beweis, dass Buoux, Volx & Co. immer  noch megaout sind.

Samstag, 4. Mai 2013

Filmisches

 Moffats Erben


"It´s the best!" Mit diesen Worten beschreibt Ben Moon in dem Kult-Vertikalsportfilmchen "The real thing" kurz und treffend was Fontainebleau ist. In engen Höschen und mit blondierter Farin Urlaub- Frisur turnt er gemeinsam mit Kumpel Jerry Moffat abwechselnd an einigen Kult-Bouldern in Stanage und am Campusboard in Moffats Kult-Klettehalle herum, um sich auf einen Boulderausflug in die Wälder von Fontainebleau im allgemeinen sowie auf eine Besteigung von Fred Nicoles Kult-Problem Karma im speziellen vorzubereiten. Dass die Beiden dann noch "the german legend Kört Älbert" treffen, setzt dem illusteren Treiben das Sahnehäubchen auf. Bei soviel Kult kann natürlich nur ein nachhaltiges filmerisches Machwerk herauskommen. Da schaut der eingefleischte Bouldermoviefan auch großzügig über so manche fremdschämtaugliche Sequenz hinweg, wie beispielsweise Bens allzu martialisch wirkender Einsatz mit Schmiedeeisen und Schmiedehammer in einer zwielichtigen Sheffielder Industriehalle, oder die pupertäre Freude der Truppe beim Anblick von Sloggie- Damenunterhosen-Werbung. "The real thing" ist und bleibt einfach der Film über Bouldern in Fontainebleau.
Obwohl kleine Clips auf YouTube und Vimeo, sowie auch ausgewachsene Filme wie die Dosage- Reihe oder die sehr sehenswerten Werke von Chuck Fryberger wie Pilze aus dem Boden schießen, ist doch bis heute nichts vergleichbares über "das beste Bouldergebiet der Welt" nachgekommen. Dabei hat Fontainebleau genügend gute und sehenswerte Boulder zu bieten, um unzählige Filmrollen zu füllen.

Out of sight (Teaser)

Doch nun hat sich wieder ein Brite getraut der Thematik anzunehmen und endlich mal wieder einen reinen Fontainebleaufilm auf den Kletterfilmmarkt zu werfen.
Dieser widmet sich jedoch weniger den Kult-Problemen des Waldes, sondern ganz im Gegenteil, stellt Neil Hart in seinem Film "Out of sight" die stillen Fleckchen abseits von Bas Cuvier und Isatis sowie  Boulder die keine Sau kennt vor. Laut seiner Ankündigung nimmt er den Couchsportler mit in  Ecken des Waldes, von denen er noch nie gehört, sowie zu Blöcken, die er noch nie gesehen hat. Das ist mal echt ein Versprechen! Und eine Einladung, die man ungerne ausschlägt. Dass diese versteckten Juwelen präsentiert werden von namenhaften Locals wie Jacky Godoffe und Jo Montchaussé, sowie internationalen Stars wie Nalle Hukkataival und Nico Favresse lässt hoffen, dass auch die Performance begeisternd sein wird.
Der Teaser macht auf jeden Fall Lust auf mehr. Bleibt abzuwarten, ob "Out of Sight" ähnlich viel Kult- Potential mitbringen wird. Aber keine Sorge, Ben und Jerry! "The real thing" wird, zumindest für alle Vertikalisten meiner Generation THE MOVIE bleiben.

Freitag, 3. Mai 2013

Es lebe der Vertikalsport

Rubrik: Verwegen Spotten

Hans-Dieter sagte er müsste sich vor Steinschlag schützen, doch Manfred wusste, dass er ihm den Helm nur nicht gab, weil er gestern unbedingt Sport gucken musste, als Hans-Dieters Lieblingssendung lief. Der kann aber auch eine ganz schöne Zicke sein.